Öffentlicher Vortrag und Podiumsgespräch

Sabine Hildebrandt zeichnet die Entwicklung der Anatomie im Nationalsozialismus nach: die Verfolgung jüdischer Anatomen, die Anpassung des Fachs an das Regime sowie die Forschung an den Leichnamen von NS-Opfern. Am Beispiel der Anatomie zeigt sie, wie die Wissenschaft und Medizin innewohnenden destruktiven Potenziale in einem totalitären Regime wirksam werden können – und welche Konsequenzen sich daraus für die medizinische Ausbildung heute ergeben.
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutieren Expert:innen aus Medizin, Geschichte und Ethik, welche Rolle die Auseinandersetzung mit der NS-Medizin für die ärztliche Identitätsbildung spielt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie historische Reflexion dazu beitragen kann, Verantwortung, ethisches Urteilsvermögen und Professionalität im Medizinstudium zu fördern.
Sabine Hildebrandt lehrt Anatomie und Geschichte der Anatomie an der Harvard Medical School und am Harvard College. Ihre Forschungsinteressen sind Geschichte und Ethik der Anatomie und ihr pädagogischer Ansatz integriert Anatomie, Medizingeschichte und Medizinethik. Neben anderen Veröffentlichungen über Medizin, Nazideutschland und den Holocaust ist ihr 2016 erschienenes Buch The Anatomy of Murder: Ethical Transgressions and Anatomical Science during the Third Reich die erste systematische Untersuchung der Anatomie in Nazideutschland.
Podiumsgespräch mit
Prof. Dr. Alena Buyx
TUM Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Prof. Dr. med. Jens Waschke
Anatomische Anstalt der LMU
Dr. Philipp Rauh
TUM Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Prof. Dr. med. Pascal O. Berberat (Moderation)
TUM Medical Education Center