Seitenwechsel meets LET ME ...

„Das Schöne am Seminar war für mich die tiefen und beeindruckenden Begegnungen mit den Menschen.“ (Teilnehmerin)

Wie oft wir im Alltag Platz nehmen. Zum Essen, in der S-Bahn, beim Friseur. Wie oft man im Medizinstudium Platz nehmen muss, in der Bibliothek, in der Vorlesung, im Seminarraum oder am Schreibtisch für das kommende Zoom-Meeting. Doch selten ist der Prozess des Hinsetzens bewusst erlebt und aktiv herbeigeführt.

Bei uns soll das Hinsetzen eine besondere Bedeutung haben. Und zwar als Einladung zum Dialog auf Augenhöhe. Denn wir setzen uns zu den Patient*innen des Klinikums, zu den Menschen. Wir begegnen ihnen als Zuhörende, Zeit-Gebende, Ermunternde und auch empathievolle Leidensgenoss*innen – nicht nur als Mediziner*innen, sondern als Ärzt*innen.

Die Palliativmedizin und die (konfessionsunabhängige) Betriebsseelsorge des Klinikums rechts der Isar bieten seit etlichen Jahren das fakultative Seminar und Praktikum Seitenwechsel an. Dieses Wintersemester 21/22 wird es noch verstärkt durch die Kooperation mit dem LET ME-Programm des TUM MEC.

Ihr werdet Patient*innen einer Station in der veränderten Rolle als „Seelsorger*innen“ besuchen, all dem begegnen, was diese in Krankheit, Krisen und Grenzerfahrungen existentiell „tragen“ kann. Ihr schenkt den Menschen Raum für ihre Themen und könnt sie in ihrer Situation menschlich und existentiell unterstützten.

Durch diese „seelsorgerische“ Tätigkeit bekommt ihr einen tiefen Einblick in die Wünsche und Sorgen auf Station und könnt eure persönliche Kommunikation mit Patient*innen und Angehörigen verbessern, die Bedeutung von „Spiritual Care“ erleben und aus einer gänzlich anderen Perspektive den Patient*innen begegnen.

Ganz gemäß Euren Kapazitäten könnt Ihr Patient*innen wöchentlich einmalig oder mehrfach auf der Station besuchen. Den Zeitpunkt und die Dauer des Besuches sowie die Intensität des Gesprächs wählt ihr selbst nach euren eigenen Möglichkeiten.

Um Eure Entwicklung von professioneller Seite aus zu begleiten, findet jede Woche ein begleitetes Reflexionstreffen (2 Stunden) in der Gruppe der Teilnehmenden statt. Die Reflexion erfolgt anhand von Gesprächsprotokollen, welche ihr von Euren Besuchen anfertigen und mitbringen könnt.

Zusätzlich hierzu bieten uns LET ME-Einheiten die Möglichkeit, weitere Facetten der Krisenbegleitung und des Lebensendes zu beleuchten.  Dabei werden nicht nur das Faktische der Medizin, sondern vor allem das subjektive Erleben und seine Kulturgeschichte in den Fokus gerückt. Anhand von Kunstwerken, Filmen und Texten eröffnen wir noch einmal andere Blickpunkte auf das Sprechen miteinander, Grenzerfahrungen sowie die Bedeutungshorizonte von Sterben und Tod.

 

Zielgruppe: Studierende der Humanmedizin. Weitere Informationen auf Nachfrage.

Zeitraum: Montag, 25. Oktober 2021 (17.00-18:30) bis 24. Januar 2022. Die 9-10 Gruppensitzungen finden wöchentlich im Klinikum rechts der Isar statt. Genauer Zeitpunkt wird nach Rücksprache mit den Angemeldeten bei Beginn festgelegt. Hier sind wir flexibel.

Anmeldung formlos über spircare@palliativ-tum.net mit einem kurzen Bewerbungsschreiben, in dem Ihr Eure persönliche Motivation zu diesem Seminar beschreibt.

Nähere Informationen zum Seminar gerne auch über diese Email oder telefonisch beim Seminarleiter.

 

Leitung: Thomas Kammerer, überkonfessioneller Betriebsseelsorger des Klinikums rechts der Isar der TUM, Theologe, Psychotraumatologe, Lehrauftrag Spiritualität an der medizinischen Fakultät der TUM (Palliativmedizin), Mitarbeiter im Projekt Humanität in der Medizin: thomas.kammerer@tum.de

 

 

Rückmeldungen von Teilnehmern früherer Seminare im ähnlichen Format („Seitenwechsel“):

 

Das Seminar „Seitenwechsel“ hat mich unheimlich bereichert, nicht nur in meinem Studium, sondern als ganzer Mensch. Ich würde sagen, im sorgfältigen Reflektieren der Gespräche war das Seminar mit die intellektuellste Herausforderung im ganzen Studium bisher und zugleich dem Menschen so nahe wie nichts sonst. Ich habe gelernt, dass man eben nicht nur Krankheiten behandelt, sondern immer auch Menschen, mit ihrem eigenen Los, ihren Ängsten und Hoffnungen und wie wichtig es ist, dabei wirklich auf sie einzugehen.

(Isabel)

 

Als Gewinn für mich aus dem Seminar sehe ich keine Angst zu haben um auf Menschen zuzugehen, wobei dies eher im Sinne gemeint ist, dass man als Ziel einfach nur ein Gespräch hat. Denn auf Menschen zuzugehen um ein Anamnese-Gespräch oder eine körperliche Untersuchung durchzuführen ist - zumindest für mich - kein Problem.

Ich habe auch gelernt genau hinzuhören und auf die "kleinen Sachen" zu achten, auf non-verbale Signale, Gestik und Mimik: das Wegdrehen des Kopfes, ein Lächeln, ein Seufzen.

(Thomas)

 

„Das Schöne am Seminar war für mich die tiefen und beeindruckenden Begegnungen mit den Menschen, sei es bei den Besuchen auf Station oder auch mit den anderen Studenten und Dozenten. Es hat mich überrascht, wie viel ich über die Kunst lernen konnte, andere Menschen (aber auch mich selbst) wahrzunehmen mit ihren Gedanken und Gefühlen, Sorgen und Nöten, aber vor allem auch ihren Stärken, ihrer Freude und ihrem Mut. Eine wirklich lohnende Erfahrung, die ich nur jedem wünschen kann, der offen ist, auch über sich selbst hinauszuwachsen.“

(Teresa)

 

„Dieses Seminar sollte jeder einmal während  des Medizinstudiums belegen, es ist eine einmalige Chance sowohl Patienten als auch Kommilitonen von einer anderen Seite kennenzulernen. Und zudem eine Art des Lernen für die sonst im Studium sehr wenig Raum ist.“

(Sophia)

 

„Ich bin sprachlos, wenn ich darüber nachdenke, wie viel in in und durch dieses Seminar „Seitenwechsel“ für meine Berufung als Arzt, aber auch für mein alltägliches Leben als Mensch lernen dufte. Ich denke, das JEDER dieses Seminar belegen sollte, da die Begegnungen mit den Patienten nicht nur emotional ergreifend und tiefgehend lehrreich sind, sondern auch unheimlich viel Freude bereiten.“

(Samuel)

 

„Das für mich vielleicht Wichtigste, welches ich aus dem Seminar mitgenommen habe: Als Arzt werde ich (leider) unter Zeitdruck stehen, werde wenig Zeit für persönliche Begegnungen haben, werde versuchen, effektiv Anstehendes zu erledigen und abzuarbeiten. Und gerade dort möchte ich nicht vergessen, wie viel mehr hinter einem Menschen stehen kann, was für ein Unterschied ein kurzes Gespräch machen kann, was es für ein Unterschied für einen Menschen sein kann, in seinen Sorgen, Ängsten und Bedürfnissen gesehen zu werden. Dass manche Fragen nicht nach wissenschaftstheoretischen Antworten suchen, sondern eine Zuwendung, ein „ich höre dich“ das Beste ist, was ich in jenen Situationen geben könnte.“

(David)