Sabine Hildebrandt zeichnet die Entwicklung der Anatomie im Nationalsozialismus nach: die Verfolgung jüdischer Anatomen, die Anpassung des Fachs an das Regime sowie die Forschung an den Leichnamen von NS-Opfern. Am Beispiel der Anatomie zeigt sie, wie die Wissenschaft und Medizin innewohnenden destruktiven Potenziale in einem totalitären Regime wirksam werden können – und welche Konsequenzen sich daraus für die medizinische Ausbildung heute ergeben.
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutieren Expert:innen aus Medizin, Geschichte und Ethik, welche Rolle die Auseinandersetzung mit der NS-Medizin für die ärztliche Identitätsbildung spielt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie historische Reflexion dazu beitragen kann, Verantwortung, ethisches Urteilsvermögen und Professionalität im Medizinstudium zu fördern.